Zeitqualität für Februar

Ein alter Bekannter hat sich zu Jahresbeginn aufgebaut: das Quadrat von Uranus und Pluto. Seit 2010 wirksam, Hochzeit 2012-2015, Nachklang 2016-2018. Am 4.2. ist das Quadrat mit einem 3°-Orbis zwar nicht mehr exakt, sorgt aber unvermindert für fundamentalen gesellschaftlichen und auch persönlichen Entwicklungsdruck.

Wenn diese beiden Planeten miteinander mehrjährig in Spannung sind, ist das ein epochaler Moment für die Geschichte. Pluto – die Kraft hinter allem Stirb und Werde – sorgt weiterhin für eine enorme Spannung. Im Steinbock nun erleben wir damit eine starke Tendenz zur Regression, also zur Rückentwicklung. Uranus sorgt weiterhin für unfassbare Ereignisse, im Widder kommen dabei egoistische Führungsansprüche zutage.

Und als ob das nicht schon reicht, kommt seit Herbst Jupiter in Waage im T-Quadrat dazu, wird zwar erst im März exakt, aber im Februar läuft auch Mars in Widder in dieses Quadrat und macht dort mit Uranus eine Konjunktion. Und an der gleichen Stelle im Tierkreis (22° Widder) verweilt auch Eris.

Eris, ein Zwergplanet außerhalb der Laufbahn von Pluto, wurde erst 2005 entdeckt, führte damals als Zankapfel der Astronomen zur Degradierung Plutos (ebenfalls zum „Zwergplaneten“). Der Planet ist noch wenig erforscht, der Mythos um Eris jedoch erinnert uns an Streit und Ärger, da sie als 13. Fee nicht zur Party eingeladen wurde und es dann durch ihren berühmten Zankapfel schaffte, die gesamte Hochzeitsgesellschaft in einen Krieg zu führen. Eris steht auch für eine starke weibliche Kraft, ständig im Widerstreit in sich selbst zwischen ihrer sensitiven zartfühlenden Seite und ihrer kriegerischen autonomen mutigen Seite. Ebenso werden in ihrem Zusammenhang eine starke Entschlossenheit, Antriebskraft und ein gesunder Wettkampf gedeutet.

Das Uranus-Pluto-Quadrat verbringt also seine beiden letzten Jahre der Wirksamkeit in Gesellschaft von Eris. Für mich als Astrologin werden die Ereignisse durchaus gutes Forschungsmaterial bieten – für uns als Gesellschaft müssen wir uns weiterhin viel mit Zwietracht, Ärger und Streit auseinandersetzen.

Wie können wir die Ereignisse der letzten und nächsten Wochen verarbeiten? Wohl, wenn wir ihnen und uns eine größere Perspektive gönnen.

Pluto in Steinbock ist nun also über die Schwelle gegangen, hat die Mitte des Tierkreiszeichens Steinbock endgültig überschritten. In den hier schon öfters beschrieben Phasen: „The bad, the evil, even worse and then redemption (das Schlechte, das Böse, dann noch schlimmer und dann Erlösung)“ sind wir also in einem Jahr, wo sich noch schlimmere Entwicklungen zeigen, wie die Jahre zuvor. Aber können wir uns überhaupt anmaßen zu entscheiden, was schlimm ist? Was sich für uns schlimm anfühlt, mag für den anderen Erlösung sein. Pluto in Steinbock ist einfach die Zeit der Despoten und die Zeit der Regression.

Wenn eine Regression am Himmel sichtbar ist – wie kann sie dann falsch sein? Wenn Despoten die Macht ergreifen, wenn die Zeitqualität genau danach gerade zu ruft – wie kann es dann falsch sein? Wenn Pluto im Steinbock für eine langjährige Krise der Staaten und Sicherheit dieser Welt steht – wie kann dann diese Krise falsch sein?

Willkommen in der Realität – Willkommen in der radikalen Rauheit unserer Erde (Pluto-Steinbock-Ausruf!)

Der Sinn und Zweck einer Krise ist, dass wir uns transformieren – trans-form – dass wir über die derzeitige Form hinaus wachsen und uns verändern. Im besten Fall uns neu erfinden, Neu werden. Wie heißt es so schön: stirb und werde – – – und nicht: stirb und bleibe!  Die Krise bringt uns nicht den Untergang, sondern die Zukunft. Dieses Prinzip gilt für uns selbst als auch für die Welt! Wer kennt es nicht, dieses wunderbare Gefühl, wenn eine Krise überwunden ist und wir aus ihr gelernt haben?

Die Krisen unserer Zeit sind notwendige Wachstumskrisen einer Menschheit, die im Eiltempo zumindest die räumliche Trennung überwunden hat. Konnte man noch vor einigen hundert Jahren nicht von einem ins andere Land reisen, ist das jetzt fast zu jedem Ort der Welt möglich und samt Internet oder Handy sogar Raum-Zeit-überschreitend.

Und wie ein Pendel, das zurückschlägt, wird heute die Trennung sichtbar, die unsere Gesellschaften durchziehen, unsere Kontinente und Bündnisse.

Eine in einem Wimpernschlag der Zeit globalisierte Menschheit braucht eine Krise, um notwendige Anpassungen vorzunehmen, um sich zu trans-formieren.

Das Uranus-Pluto-Quadrat bietet uns seit Jahren diese Jahrhundertkonstellation, mit der wir ins Straucheln kommen, um zu lernen, um zu wachsen, um zu scheitern, um zu verstehen.

Mit Jupiter in der ausgleichenden Waage wird nun ein wohl notwendiger Ausgleich geschaffen – ob uns das passt oder nicht. Die demokratische Wahl Donald Trumps (bei allen Unstimmigkeiten aber immer noch demokratisch) zu einem der mächtigsten Männer der Welt gibt einer gesellschaftlichen Schicht eine Stimme, die auf diese Weise ihren Ausgleich fordert. Und auch hier: ob nun durch Lügen oder Täuschung angesprochen: es gibt sie allerorts – die Rassisten, Sexisten, Fremdenfeindlichen, Homophoben, „Patrioten“ und Fundamentalisten.

Für mich ist es immer wieder ein Segen, die Ereignisse, über die ich persönlich entsetzt sein kann, im größeren astrologischen Zusammenhang zu sehen. Denn der enge Blick lässt uns leiden, oder wir blenden alles aus (und fliehen damit). Hingegen der weite Blick – die evolutionäre Sicht – ergibt einen Sinn, der uns vielleicht konkret im Chaos der Ereignisse nicht ersichtlich wird, den wir aber durch ein unerschütterliches Vertrauen erreichen können und der uns hilft, selbst konstruktiver Teil einer Menschheit zu sein, die sich in einer evolutionären Krise befindet.

Es hilft uns nicht, uns zu sehr an unsere Identifikationen zu klammern – an unsere politische Meinung etwa, unser Weltbild, unsere Sicht, was gut oder schlecht ist. Uranus, Pluto, Jupiter und auch Neptun fordern von uns TRANS-FORM-AT(K)ION.

Dann und wann gelingt es der Evolution, ihren Kurs anzupassen. Mit einer solchen Jahrhundertkonstellation muss die menschliche Evolution geradezu ins Straucheln kommen. Vielmehr geht es um eine Art Selbstkorrektur, um Ausgleich, Neuausrichtung, Umordnung. Ich erinnere noch mal, dass die Saatkonstellation des jetzigen Quadrates die Konjunktion von Uranus und Pluto in den 60er Jahren war. Hier hat ein enormer bedeutender gesellschaftlicher Wandel seinen Anfang genommen: Menschenrechte, Frauenrechte, Sozialsysteme – eine Revolution erfasste viele Teile des Planeten. Für unsere westliche Welt galt dies zu Beginn des 21. Jahrhunderts alles als so selbstverständlich und wir sehen jetzt schmerzhaft zu, wie diese Entwicklungen in anderen Ländern der Welt nun auf starke Abwehr treffen und auch bei uns längst nicht alle Bereiche der Gesellschaft erfasst haben. Diese in der Zivilisation der Menschheit über 1000de von Jahren schwer errungenen „Fortschritte“ sind für andere eine Bedrohung. Nur wenn wir selbst bereit sind, unsere begrenzte Sicht zu öffnen, kann es uns gelingen, in regressiven Zeiten – die eben nun mal zur Evolution gehören – nicht zu verzweifeln (und so noch mehr Trennung schaffen).

„Wir“ haben zwar eine einheitliche Sicht, das heißt, wir gestehen im großen und ganzen allen Menschen gleiche Rechte und gleichen Wert zu. Aber das tun wir nur, wenn sie unserer Meinung sind – also ebenfalls alle Menschen als gleichwertig betrachten. Und das ist ein Widerspruch. Und die massive Machtübernahme derer, die auf Ausgrenzung, Abschottung, Diskriminierung, Trennung etc. setzen, fordert uns heraus, noch „einheitlicher“, allumfassender, menschlicher zu werden.

Willkommen in der Realität – ein großer Prozentsatz der Menschen weltweit hat rassistische, sexistische, patriarchale und auch fundamentalistisch-religiöse Tendenzen – auch in unseren westlichen Gesellschaften.

Kann es nicht sein, dass eine in der Evolution inneliegende Kraft für Ausgleich sorgt, den Stimmen dieser Menschen auch ihr Recht auf evolutionären Ausdruck zu geben? Seit den 60er Jahren hat sich unsere Zivilisation in einer Geschwindigkeit entwickelt, wie niemals zu vor. Ein Pendel der Geschichte, was zurückschlägt, sollte uns nicht erschrecken, sondern aufwecken: Errungenes nicht für selbstverständlich halten, Gelungenes wertschätzen, Erreichtes anerkennen!

Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben so viele Menschen in Demokratien gelebt, sind Mädchen zur Schule gegangen, haben Kinder ihr 5. Lebensjahr überlebt, haben Menschen Zugang zu Trinkwasser und Hygiene, war die Anzahl an Menschen, die Lesen und Schreiben können so hoch und von Menschen die in extremer Armut leben so niedrig (Quelle: www.ourworldindata.org). Noch nie in der Geschichte der Menschheit hatten so viele Menschen ein Bestreben danach, dass alle Menschen gleich behandelt werden, ungeachtet ihrer Herkunft, Rasse, Hautfarbe, Sexualität oder ihres Glaubens.

Und gleichzeitig werden die trennenden Stimmen laut.

Die Opposition von Jupiter zu Uranus zeigt uns genau diesen Widerspruch, das Quadrat zu Pluto diesen Machtkonflikt dieser gespaltenen Gesellschaften und Kulturen.

Und führende Strukturen (Steinbock) unserer Gesellschaften haben in ihrer Hab- und Machtgier viel zur instabilen Lage beigetragen. Die Wutbürger (Uranus in Widder) rächen sich (Pluto) an der Elite (Steinbock). Auch hierfür gibt es einen astrologischen, einen „evolutionären Plan“ bzw. Spiegel.

Wenn wir in Trumps Sieg, in seinem Mauerbau und auch in der unfassbaren Ausgrenzung von mehreren hundert Millionen Muslimen nur den Rückschritt sehen, verpassen wir die Chance, selbst vorwärts zu gehen und unsere eigenen Grundlagen einer gründlichen Überprüfung zu unterziehen.

Was an der weltpolitischen und auch innerdeutschen sozialen Situation ist für mich persönlich eine Wachstumsherausforderung? Worin könnte meine Trans-Form-a(k)tion liegen?

Wenn das astrologisch alles so in den planetare Bewegungen ersichtlich ist: kann es nicht falsch sein. Wir können die Ereignisse nicht bestimmen – allerdings unsere Reaktion darauf. Reagieren wir auf Trennung mit Trennung, auf Ausgrenzung mit Ausgrenzung, auf Hass mit Hass (ok, im schönen Mantel der empörten „sozialen“ Abwehr)?

Ich sage nicht, dass es irgendwie leicht ist. Ein T-Quadrat ist für keinen leicht – und doch ist es die Konstellation, mit der wir am meisten gewinnen können.

Bitte versteht mich nicht falsch: Politisch-gesellschaftlich halte ich es für dringend geboten, mit aller Entschlossenheit diesen aus meiner Sicht präfaschistischen Entwicklungen – jetzt gerade besonders in den USA –  klar entgegenzutreten. Die Analogie zu den 30er Jahren ist sehr deutlich. In diesem Vergleich sind wir bei 1936! (Leider wird auf Astrologen an der Stelle nicht gehört 🙁

Ich versuche hier eine größere Perspektive hinzu zu nehmen, für unser aller Verstehen. Wenn es uns gelingt, einen Überblick zu erringen, eine ganzheitliche Sicht auf die Dinge zu suchen, sind die weltweiten schwierigen Entwicklungen unserer Zeit eben nicht nur eine Rückentwicklung, sondern eine Manifestation einer Selbstkorrektur der Evolution. Wenn wir verstehen, WARUM diese Entwicklungen geschehen und WAS versäumt wurde, finden wir vielleicht eher zu einem WIE die Lösung aussehen kann.

Optimismus in seinem Wesen ist keine Ansicht über die gegenwärtige Situation,
sondern er ist eine Lebenskraft,
eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignierten,
eine Kraft, den Kopf hochzuhalten wenn alles fehlzuschlagen scheint,
eine Kraft, Rückschläge zu ertragen,
eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.

Mag sein, dass der jüngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die Arbeit für eine bessere Zukunft aus der Hand legen, vorher aber nicht.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung

An dieser Stelle möchte ich Ken Wilber danken, der mir mit seinem E-Book, „Trump and a Post-Truth-World“ für diesen Newsletter Stärkung war. Er spricht das aus, was ich auch sehe und auch schon vorsichtig bei meinen Vorträgen zum Jahr 2017 so ausgedrückt habe.
Das Zitat zum Optimismus entnahm ich dem hervorragenden Magazin evolve – auch hier vielen Dank.

In der ersten Monatshälfte ereignet sich eine Mondfinsternis (11.2.). Während Mars dann in der zweiten Monatshälfte durch das T-Quadrat von Uranus, Eris, Pluto und Jupiter läuft, geschieht zeitgleich eine Sonnenfinsternis (26.2.). Finsternismonate sind immer mit besonderen Lernaufgaben versehen. Wie können wir streitbare Menschen sein, und Streit aber konstruktiv sein? Wie kann mein eigener Fortschritt auch für die anderen von Nutzen sein? Was will ich und wie kann ich das mit anderen Menschen in Kooperation erreichen?

Zu Saturn in Schütze gesellt sich Lilith in Schütze (14.2. bis November ´17), was noch mehr Hitze in die gesellschaftlichen Proteste bringen kann. Und für uns noch mehr Kraft in besagten Optimismus als Lebenskraft.

Expand your mind.

Dehne deinen Geist, Verstand und Horizont aus.

Dein Leiden (Saturn) verschwindet dann, wenn du bereit bist, das anzunehmen, was du nicht verstehen kannst (Chiron in Fische in Quadrat zu Saturn).